3 Fragen an Andreas Kowol

Andreas Kowol, Aufsichtsratsvorsitzender der ESWE Verkehrsgesellschaft und Dezernent für Umwelt, Verkehr und Grünflächen, erklärt im Kurzinterview, warum es wichtig ist, CO₂ zu sparen, und wie dies in Wiesbaden am besten gelingen kann.

Die Bussen von ESWE Verkehr wurden vor kurzem mit markanten Slogans beklebt. Einer lautet „CO₂ sparen, statt hinterherfahren“. Fährt Wiesbaden tatsächlich hinterher?

Wiesbaden ist attraktiv: Allein in den letzten zwei Jahren wuchs die Stadt um 17.000 Einwohner – viele Menschen haben ihren Lebensmittelpunkt gerne hier. Jedoch besitzt jeder zweite Einwohner einen eigenen Wagen. Für eine Großstadt ist diese sehr hohe Pkw-Dichte eher ungewöhnlich. Zum Vergleich: in Darmstadt sind es 37 Prozent, in Frankfurt sogar nur 35 Prozent. In puncto ÖPNV- und Radnutzung fährt Wiesbaden also tatsächlich hinterher.

Welche Probleme ergeben sich durch diese hohe Pkw-Dichte in der Stadt?

Hohe Lärm- und Luftbelastungen sind vorprogrammiert und es verwundert nicht, dass die Grenzwerte für Stickstoffdioxid regelmäßig überschritten werden. Der Verkehrsclub Deutschland und die Deutsche Umwelthilfe haben deshalb Klage vor dem Wiesbadener Verwaltungsgericht eingereicht. Die Kläger streben ein Fahrverbot für alle Dieselfahrzeuge in Wiesbaden an. So paradox es auch klingen mag: Wer ein Fahrverbot verhindern möchte, sollte ab und an auf das Rad oder den Bus umsteigen. Auch die Feinstaub-Werte am ersten Ring sind zu hoch. Menschen, die dort in der ersten Etage von Wohngebäuden leben, bekommen den ganzen Dreck ab. Dagegen müssen wir etwas tun.

Mit welchen Maßnahmen möchten sie diese Problematik angehen?

Zunächst sei gesagt, dass ich die Maßnahmen zur Einführung des emissionsfreien ÖPNV und zur Umsetzung des Nahverkehrsplans, die die ESWE Verkehrsgesellschaft in den vergangenen Monaten bereits vorbereitet hat, sehr begrüße. Ein starker öffentlicher Personennahverkehr, der den Wiesbadenern ein umfassendes Mobilitätsangebot zur Verfügung stellt und die Abhängigkeit vom Auto vermindert, schützt gleichzeitig auch unser Klima. Mit dem Einsatz neuester Abgasfiltertechnologien stellt ESWE Verkehr schon seit Jahren unter Beweis, dass der öffentliche Nahverkehr ein Motor für umweltfreundliche Mobilität sein kann. Wenn dieser Ansatz weiterhin so konsequent verfolgt wird, bin ich mir sicher, dass Wiesbaden im Jahr 2022 Deutschlands erste Stadt mit emissionsfreiem ÖPNV sein wird.

Ein weiterer Punkt, der mir bekanntermaßen sehr am Herzen liegt, ist der Ausbau unserer Radwege: Lediglich 5 Prozent der Wiesbadener steigen für kurze Strecken in der City aufs Rad. Die Anzahl an Radwegen ist gering, die Forderung nach neuen Mobilitätskonzepten wird seit Jahren diskutiert. Dabei bringt das Fahrrad viele Vorteile: Wer Rad fährt, kommt staufrei durch den Stadtverkehr, sucht am Zielort keinen Parkplatz, tut etwas für seine Gesundheit und produziert obendrein keine Schadstoffe.

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